Die Reichweite von Elektrofahrrädern hängt von vielen Faktoren ab. Folgende konstruktive Faktoren haben wesentlichen Einfluss auf die Reichweite des Elektrofahrrades:

- Art der Sensorik: Kraft- oder Drehmomentsensoren ermöglichen höhere Reichweiten als einfache Drehsensoren
- Unterstützungsgrad-Einstellungen der Steuerung
- Art und Wirkungsgrad des Antriebes
- Art und Kapazität des Akkus

Wesentlichen Einfluss haben aber auch die individuellen Nutzungsfaktoren:

- Gewicht von Fahrer und Gepäck
- eingestellte  Fahrmodi
- eingestellte Gänge und Tretkraft
- das Gelände - Ebene oder bergiges Gelände, Steigung und Länge von Bergstrecken
- Stärke und Richtung des Windes
- die Außentemperatur: bei niedrigen Außentemperaturen kann die Reichweite deutlich reduziert sein 

Zur Einschätzung der Reichweiten in unserer bergigen Gegend hier Berichte von unseren Radtouren:

Mittlere Fahrweise: Simmersbach - Herborn 

Wir sind am 30. März 2008 mit Pedelecs von Giant von Eschenburg-Simmersbach (Höhe 387 m über NN) nach Herborn (Höhe 202 m über NN) und nach einem leckeren Mittagessen im Restaurant Tassili zurück gefahren. Die gefahrene Strecke (mit einem kleinen Abstecher in Dillenburg) betrug 48 km bei einer Außentemperatur von 12 - 20 Grad Celsius. Die Fahrzeit betrug etwa 2 Stunden 45 Minuten. Die Summe der Steigungen auf der Hinfahrt: 94 Meter, auf der Rückfahrt: 275 Meter (laut Radroutenplaner Hessen , dort kann man sich auch das Höhenprofil der Strecke anzeigen lassen, leider ist es verboten, dies hierher zu kopieren).

Beim Bergabfahren wurde der Antrieb zeitweise abgeschaltet, auf gerader Strecke im Eco-Mode, bergauf im Normal-Mode, gemütliche Fahrweise, nicht zu schnell. Meist kräftiger Wind - ohne Motorunterstützung wären wir nach den ersten Metern umgekehrt! Vor der Fahrt waren die Akkus komplett aufgeladen.

Fahrrad 1: Giant Twist Comfort CS Größe M mit 2 Akkus 26V 9 Ah: Fahrer untrainiert, Gewicht 85 kg + Kleinkind 2,5 Jahre ca. 15 kg im Kindersitz. Ein Akku hatte eine Restladung von ca. 60% (3 von 5 LEDs leuchteten), ein Akku von ca. 40% (2 von 5 LEDs leuchteten). Gesamtverbrauch ca. eine Akkuladung. Dieses Fahrrad dürfte unter diesen Bedingungen mit zwei Akkus etwa eine Reichweite von etwa 100 km haben.

Fahrrad 2: Giant Twist Elegance CS Lite Größe S mit 1 Akku 26V 9 Ah: Fahrerin untrainiert, Gewicht 70 kg incl. Gepäck. Der Akku hatte eine Restladung von ca. 20 - 30 % (2 von 5 LEDs leuchteten). Dieses Fahrrad dürfte unter diesen Bedingungen eine Reichweite von ca. 60  km haben.

Nach unserer Erfahrung sinkt die Reichweite jedoch deutlich, sobald grössere Steigungen mit großer Motorunterstützung oder hoher Tretkraft gefahren werden. Daher empfehlen wir, mit Fahrrädern mit Nabenmotoren an Steigungen eher in niedrigeren Gängen mit höherer Tretfrequenz zu fahren. Dann wird der Akku nicht so stark belastet.

Da wir untrainiert sind und es die erste Fahrt im Jahr war, tut der H... weh und unsere Beine merken wir auch. Aufgrund der zu dicken Winterjacken haben wir auch geschwitzt, aber wir sind auch auf den Steigungen nie außer Atem gekommen. Es war ein wunderschöner Ausflug bei herrlichem Frühlingswetter!

Schnelle Fahrweise: Simmersbach - HerbornMit dem Agattu in Herborn

Am 17. April 2008 bin ich mit einem Pedelec von Kalkhoff die gleiche Strecke gefahren. 

Fahrstil diesmal: Beim Bergabfahren wurde der Antrieb zeitweise abgeschaltet, auf gerader Strecke im Eco-Mode, bergauf im Normal-Mode, schnellere Fahrweise. Leichter Wind und etwa 10 °C kalt und Sonnenschein. Vor der Fahrt war der Akku komplett aufgeladen.

Fahrrad: Kalkhoff Agattu Pedelec 7G Größe 49 mit 1 Akkus 26V 10 Ah: Fahrer untrainiert, Gewicht 85 kg, diesmal ohne Kleinkind im Kindersitz. Die Fahrt nach Herborn ging zügig, nach 37 Minuten in Dillenburg beim Gymnasium (15 km), nach 57 Minuten in Herborn am Toom-Baumarkt (23,5 km). Dort leuchteten noch alle drei LED der Akku-Anzeige am Bedienteil. Auf dem Rückweg ging in Burg die erste LED aus, in Wissenbach ging die zweite LED aus und kurz vor Eibelshausen begann die dritte und letzte LED zu Blinken. Nach 42 Kilometern war der Akku leer. Die letzten 6 Kilometer, der Weg durch Eibelshausen und die Steigung nach Simmersbach mussten ohne Tretkraftunterstützung bewältigt werden. Ich hatte den Eindruck, dass wenn die ersten beiden LEDs erloschen sind, es zum Schluss dann nicht mehr sehr lange dauert, bis die dritte LED blinkt.

Das Agattu vor dem Rathaus in HerbornDennoch hat die Tour viel Spaß gemacht, es war erstaunlich wie schnell man mit dem Elektrorad voran kommt. Das Kalkhoff Agattu fährt sich sehr angenehm, leicht und leise. Selbst bei schneller Fahrt auf dem Kopfsteinpflaster in Dillenburg - dort geht der Radweg mitten durch die Fußgängerzone - klappert da nichts - hervorragende Verarbeitung! 

Fazit: Durch die schnellere Fahrweise ist diese Tour nicht direkt vergleichbar mit der Tour mit den Giant Fahrrädern. Da bei Fahrrädern mit Zentralantrieb wie dem Agattu, die maximale Geschwindigkeit, bis zu der der Akku unterstützt, von dem eingestellten Gang abhängt, wurde immer in möglichst hohen Gängen gefahren. Da in höheren Gängen eine höhere Tretkraft notwendig ist und durch den Kraftsensor die Tretkraft verstärkt wird, wurde wohl der Akku doch etwas mehr belastet. Bei einer etwas sparsameren Fahrweise, geringerem Fahrergewicht oder höheren Außentemperaturen wäre die Strecke von 48 km sicherlich mit einer Akkuladung zu bewältigen gewesen.

 

Leicht sparsame Fahrweise: Simmersbach - Haiger - Dillquelle - Haincher Höhe - Simmersbach

Die Bettelbuche zwischen Rittershausen und HainchenWir sind am 11. Mai 2008 mit den beiden Pedelecs von Giant von Eschenburg-Simmersbach (Höhe 387 m über NN) über Dillenburg nach  Haiger und von dort über Rodenbach, Fellerdilln, Dillbrecht, Offdilln, die Dillquelle und von dort zur Straße zwischen Rittershausen und der Haincher Höhe (Höhe 540 m über NN), dann über Rittershausen, Ewersbach, Steinbrücken und Eibelshausen zurück nach Simmersbach. Die gefahrene Strecke  betrug 50 km bei einer Außentemperatur von 20 - 22 Grad Celsius. Die Fahrzeit betrug etwa 2 Stunden 45 Minuten. Die Summe der Steigungen insgesamt 635 Meter (laut Radroutenplaner Hessen).

Beim Bergabfahren wurde der Antrieb zeitweise abgeschaltet, auf gerader Strecke und bergauf wurde weitgehend im Eco-Mode gefahren - nur auf der starken Steigung zwischen Dillquelle und Haincher Höhe wurde auf Normal-Mode geschaltet. Mittelstarker Wind - man sah wenige Radfahrer - den meisten war der Wind wohl zu stark. Vor der Fahrt waren die Akkus komplett aufgeladen.

Fahrrrad 1: Giant Twist Comfort CS Größe M mit 2 Akkus 26V 9 Ah: Fahrer untrainiert, Gewicht 85 kg + Gepäck 5 kg. Der erste Akku war 100 m vor dem Ende der Radtour leer. Also 50 km mit einem Akku.

Fahrrad 2: Kalkhoff Agattu Pedelec 7G Größe 49 mit 1 Akku 26V 10 Ah: Fahrerin untrainiert, Gewicht 85 kg incl. Kleinkind im Kindersitz. Der Akku hatte eine Restladung von ca. 20 - 30 % (2 von 5 LEDs leuchteten). Dieses Fahrrad dürfte unter diesen Bedingungen eine Reichweite von über 60  km haben.

Fazit: Die Tour hat gezeigt, dass mit dem Kalkhoff Agattu Pedelec auch in unserer Mittelgebirgslage Touren von über 50 Kilometer möglich sind. 

Sparsame Fahrweise: Simmersbach - Herborn 

Wir sind am 01. Juni 2008 mit Pedelecs von Giant von Eschenburg-Simmersbach (Höhe 387 m über NN) nach Herborn (Höhe 202 m über NN) zum zum Herborner Erdbeer-Sonntag und zurück gefahren. Die gefahrene Strecke betrug 45 km bei einer Außentemperatur von ca. 22 - 25 Grad Celsius. Die Fahrzeit betrug etwa 2 Stunden 30 Minuten. Die Summe der Steigungen auf der Hinfahrt: 94 Meter, auf der Rückfahrt: 275 Meter (laut Radroutenplaner Hessen , dort kann man sich auch das Höhenprofil der Strecke anzeigen lassen, leider ist es verboten, dies hierher zu kopieren).

Beim Bergabfahren wurde der Antrieb zeitweise abgeschaltet, auf gerader Strecke und bergauf im Eco-Mode, nur selten bergauf im Normal-Model. Mittlerer  Wind - ohne Motorunterstützung wären wir nach den ersten Metern umgekehrt! Vor der Fahrt waren die Akkus komplett aufgeladen.

Fahrrad 1: Giant Twist Comfort CS Größe M mit 2 Akkus 26V 9 Ah: Fahrer untrainiert, Gewicht 85 kg. Bei Beginn hatte ein Akku eine Restladung von ca. 80% (4 von 5 LEDs leuchteten), nach der Fahrt hatte dieser Akku eine Restladung von ca. 10 - 20% (1 von 5 LEDs leuchteten), der andere Akku war noch voll. Gesamtverbrauch ca. 60 % einer Akkuladung. Dieses Fahrrad dürfte unter diesen Bedingungen mit zwei Akkus etwa eine Reichweite von etwa 140 km haben.

Fahrrad 2: Kalkhoff Agattu Pedelec 7G Größe 49 mit 1 Akku 26V 10 Ah: Fahrerin untrainiert, Gewicht 85 kg incl. Kleinkind im Kindersitz. Der Akku hatte eine Restladung von ca. 40 - 50 % (3 von 5 LEDs leuchteten). Dieses Fahrrad dürfte unter diesen Bedingungen eine Reichweite von über 70  km haben.

Fazit: Man sieht, die sparsame Fahrweise (meist Stufe ECO) und die Außentemperatur über 20 °C führen zu deutlich höheren Reichweiten.

Sehr sparsame Fahrweise: Simmersbach - Angelburg - Aartalsee - Burg - Dillenburg - Simmersbach

Am Hirzenhainer HangIch bin am 12. Mai 2008 mit dem Kalkhoff Agattu Pedelec von Eschenburg-Simmersbach (Höhe 387 m über NN) über Hirzenhain, Hirzenhain-Bahnhof und dann auf dem Radweg "Aartalsee - Perfstausee" weiter über die Angelburg, Wallenfels, Eisemroth und Bischoffen zum Aartalsee gefahren. Dann eine Runde um den Aartalsee und nach dem Mittagessen über Bischoffen, Bicken, Burg und Dillenburg zurück nach Simmersbach.  Die gefahrene Strecke  betrug 65 km bei einer Außentemperatur von 20 - 22 Grad Celsius und strahlendem Sonnenschein. Die Fahrzeit betrug etwa 3 Stunden 30 Minuten. Die Summe der Steigungen betrug insgesamt 651 Meter (laut Radroutenplaner Hessen).

Beim Bergabfahren und auf gerader Strecke wurde der Antrieb abgeschaltet, bergauf wurde weitgehend im Eco-Mode gefahren - nur auf starken Steigungen wurde auf Normal-Mode geschaltet. Wenig bis mittlerer Wind - viele Radfahrer waren unterwegs. Vor der Fahrt war der Akku komplett aufgeladen. Es wurde bewußt sehr energiesparend gefahren.

Fahrrad: Kalkhoff Agattu Pedelec 7G Größe 49 mit 1 Akku 26V 10 Ah: Fahrer untrainiert, Gewicht 85 kg + 15 kg Kleinkind im Kindersitz = Gesamtgewicht 100 kg. Der Akku war am Ende der Radtour fast leer. 

Fazit: Ein Elektrorad ist auch sportlichere Mitmenschen etwas, denn man kann damit weitere Touren unternehmen als mit einem herkömmlichen Fahrrad. Man kann dabei immer im aeroben Bereich fahren und schaltet den Antrieb nur ein, wenn der Puls zu hoch steigt. Je nach Strecke, Kondition und Außentemperatur sind bei bewußt sparsamer Fahrweise mit dem Kalkhoff Agattu Pedelec auch in unserer Mittelgebirgslage Strecken von 60 - 80 km möglich.

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