Im folgenden Video zeigt Karl-Heinz Lange, der Technische Direktor der Derby-Cycle AG (Fahrradmarken Kalkhoff, Focus, Raleigh, Rixe, Univega) die Unterschiede eines E-Bikes aus seiner Produktion und einem Billig-E-Bike:

Da ist die Frage, ob Sie viel Freude mit einem Billig-Elektrorad haben werden. Die billigen Elektro-Fahrräder stammen meist aus aus chinesischer Produktion. In China fahren bereits ca. 10 Mio. Elektro-Fahrräder, die jedoch völlig anders als hier z. B. mit Blei-Akkus ausgerüstet sind. Diese Fahrräder dort verursachen oft Reparaturkosten pro Jahr in Höhe der Anschaffungskosten. Aufgrund der niedrigen Löhne ist das dort aber oft kein so großes Problem. Werden solche Produkte hier verkauft, so ist aufgrund unserer viel höheren Lohnkosten der wirtschaftliche Totalschaden oft beim ersten Problem erreicht. 

Hochwertige Elektro-Fahrräder verfügen über einen bürstenlosen Gleichstrommotor aus japanischer oder europäischer Produktion - z. B. von Panasonic, Sanyo, Heinzmann oder Schachner. Die Low-Cost-Produkte enthalten meist keinen bürstenlosen Gleichstrommotor mit entsprechend langer Lebensdauer, sondern einen herkömmlichen Gleichstrommotor mit Kohlebürsten. Diese Motoren sind schwerer und unterliegen einem Verschleiß durch die Abnutzung der Kohlebürsten. Oder es ist ein Motor aus chinesischer Produktion eingebaut. Bei diesen Motoren ist der Wirkungsgrad oft entsprechend geringer - damit sinkt die Reichweite.

Hochwertige Elektrofahrräder verwenden meist einen Kraft- oder Drehmomentsensor, um die Tretkraft zu messen. Die gewählte Leistungsstufe legt dann fest, um wieviel die vom Fahrer eingesetzte Kraft durch den Elektromotor verstärkt wird. Da der Radfahrer am Berg mit mehr Kraft tritt als auf ebener Strecke, erhält er am Berg eine höhere Unterstützung als auf ebener Strecke Damit schaffen diese hochwertigen Elektrofahrräder den Spagat: Sie erreichen trotz hohem Unterstützungsfaktor noch große Reichweiten. Durch den Kraftsensor gehen sie sehr effizient mit der im Akku enthaltenen Energie um.

Geringerwertige Elektrofahrräder verfügen nur über einen weit kostengünstigeren Drehsensor, der nur feststellt, ob die Pedale bewegt werden. Werden die Pedale bewegt, so schaltet sich der Motor mit der eingestellten Unterstützungsstufe ein.  Die Steuerung merkt bei diesem Konzept nicht, ob Sie mehr oder weniger Unterstützung benötigen. Der Hersteller legt fest, wie stark die Antriebskraft in den vorhandenen zwei oder drei Fahrmodi ist. Diese Antriebskraft wird dann immer bereitgestellt - egal ob Sie fest oder nur leicht treten. Die Reichweite ist dadurch wesentlich geringer. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier.

Im Flachland mag das kein großes Problem darstellen, denn dort ist die Fahrsituation fast immer gleich. Für Fahrten in unserer Mittelgebirgslandschaft sind die Low-Cost-Elektrofahrräder jedoch nicht geeignet, denn hier gibt es unterschiedlichste Fahrsituationen, auf die sich die Steuerung einstellen muss. Billige Elektro-Fahrräder sind entweder zu schwach für unsere Steigungen ausgelegt oder die Reichweite ist zu gering. Die Reichweitenangabe des Herstellers gilt unter optimalen Bedingungen im Flachland ohne Wind und bei geringem Fahrergewicht. Erfahrungsgemäß liegt die Reichweite unter hiesigen Fahrbedingungen bei einem Drittel bis zur Hälfte dieser Angaben. Nur durch ausführliche Probefahrten kann man feststellen, ob ein solches Rad den eigenen Anforderungen genügt.

Zur Energieversorgung wurden bei den Low-Cost-E-Bikes bis 2007 fast ausschließlich NiMH- oder Blei-Akkus eingesetzt. Nachdem die Rohstoff-Preise auf dem Weltmarkt massiv gestiegen sind, werden nun schon öfters Lithium-Ionen-Akkus aus chinesischer Produktion eingesetzt. Über die Lebensdauer und die Sicherheit dieser Low-Cost-Produkte gibt es noch keine Erfahrungswerte. Außerdem handelt es sich bei diesen Akkus meist um Lithium-Ionen-Kobalt-Akkus und nicht um die höherwertigen Lithium-Ionen-Mangan-Akkus. Lithium-Kobalt-Akkus sind nicht ganz ungefährlich.

Ein weiteres Problem dieser Low-Cost-Produkte ist die Ersatzteilversorgung. Während die herkömmlichen Fahrrad-Komponenten wie Schaltung, Bremsen, Kette, Beleuchtung international standardisiert sind und entsprechende Ersatzteile leicht beschafft werden können, gibt es für die elektrischen Komponenten wie Motor, Akkus, Steuerung usw. noch keine Standards. Jeder Hersteller hat seine eigenen Komponenten. Läuft das Geschäft für einen Hersteller nicht zufriedenstellend, so sind oft nach kurzer Zeit keine Ersatzteile mehr zu bekommen - auch dann ist das Elektro-Fahrrad nicht mehr zu gebrauchen. 

Wenn Sie dennoch ein billiges Elektrofahrrad kaufen möchten, ohne es ausführlich zur Probe gefahren zu haben, so sollten Sie vorher sicherstellen, dass Sie ein 14-tägiges Rückgaberecht haben und dass die Ersatzteilversorgung und Reparatur auch nach dem Ablauf von 3 Jahren sichergestellt ist. Die meisten in Deutschland verkauften Billig-Elektrofahrräder werden von Prophete importiert. Diese werden oft unter den Namen "Alu-Rex", "Rex", "Alu-City-E-Bike" usw. bei Obi, Metro, Real, usw. verkauft. Viele Käufer haben bei uns nach dem Ablauf der Garantiezeit um eine Reparatur nachgefragt. Da Prophete aber nach Ablauf der Garantiezeit nach unserer Erfahrung keine Ersatzteile mehr liefert, ist ein Elektrofahrrad bei einem Problem dann ein Totalschaden.

 

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