arbeitsweg1Seitdem im Frühjahr 2008 die Ölpreise massiv gestiegen waren, ist das Elektroauto in aller Munde. Damals berichten die Medien, dass es in zwei bis drei Jahren Elektroautos als attraktive Alternative zu herkömmlichen Autos geben wird. Diese Berichte, verbunden mit den Problemen durch den Beginn der Schuldenkrise, haben dazu geführt, dass die Autoindustrie massive Absatzeinbrüche hatte. Dies führte dann dazu, dass sich die Regierung gezwungen sah, über eine Abwrackprämie die Autoindustrie zu subventionieren.

Am Ende des Jahres 2010 waren in Deutschland von insgesamt 41 Millionen angemeldeten Kraftfahrzeugen nur 2.000 Elektroautos und ca. 28.000 Hybridfahrzeuge. Ende 2012 waren es ca. 7500 Elektroautos. Hingegen gab es Ende 2010 in Deutschland ca. 500.000 und Ende 2012 ca. 1 Mio. Elektrofahrräder.

Die Elektromobilität findet also bei den Elektrofahrrädern statt und nicht bei den Elektroautos. Das haben auch die Autozuliefer-Konzerne wie Bosch und Brose verstanden und begonnen, sich in diesem Bereich zu betätigen.

In den 1990er Jahren war es die Brennstoffzelle, die die Antriebstechnik der Autos sowie die Gebäudeheizungen revolutionieren sollte. Damals hat man gesagt, dass zwischen ab 2000 massiv Autos mit Brennstoffzellenantrieb auf dem Vormarsch sein werden. Doch davon hört man nichts mehr. Die auftretenden technischen Probleme (Verunreinigungen, Defekte durch Frost, zu geringe Standzeiten usw.) konnten nicht mit vertretbarem Aufwand gelöst werden. Auch diese Forschungsvorhaben wurden massiv subventioniert. Doch der Erfolg blieb bisher weitgehend aus.

Da stellt sich nun die Frage, wann wird es die Elektroautos als wirtschaftlich attraktive Serienfahrzeuge wirklich geben?

Diese Frage kann man beantworten, wenn man die Speichermöglichkeiten für elektrische Energie untersucht. Der Lithium-Ionen-Akku eines Elektrofahrrades mit 26V und 10Ah speichert also 260 Wattstunden. Ein Liter Benzin oder Diesel stellt etwa eine Energiemenge von 10 kWh, also 10.000 Wattstunden bereit. Um die Energiemenge eines Liters Benzin oder Dieselkraftstoff zu speichern, benötigt man etwa die 40-fache Akkukapazität. Ein solcher Lithium-Ionen-Akku, der die Energiemenge eines Liters Kraftstoff speichert, wäre etwa 100 kg schwer und würde etwa 10.000 bis 15.000 Euro kosten.

Nachdem die deutsche Bundesregierung in 2011 wieder mal ein milliardenschweres Subventionsprogramm zur Förderung der Entwicklung von leistungsstärkeren Batterien verabschiedet hat, zeigte die FAZ in einem Artikel im Mai 2011 , dass es ähnliche Programme bereits vor 35 Jahren gegeben hat. Die FAZ verwies dabei auf einen Artikel der FAZ vom 18. September 1976 unter dem Titel „Das Elektroauto wartet noch auf die ideale Batterie“. Wie man heute weiß, waren alle diese Programme weitgehend erfolglos. Die physikalischen Möglichkeiten der elektrischen Energiespeicherung sind eben nicht ohne weiteres um Zehnerpotenzen in Bezug auf Gewicht und Kosten steigerbar - es sind lediglich Verbesserungen im niedrigen Prozentbereich möglich. 

Da wird dann klar, dass es noch ein langer Weg ist, bis Elektroautos die heutigen Autos flächendeckend ablösen - wenn überhaupt. Es ist nicht sinnvoll, die heute bekannten Autos mit Elektromotoren auszurüsten. Diese Fahrzeuge brauchen zuviel Energie, weil sie viel zu schwer sind. Aus diesem Grund fordert die Autoindustrie lautstarkt Subventionsprogramme von der Regierung.

Nur durch konsequenten Leichtbau wird es möglich sein, das Fahrzeuggewicht deutlich zu senken und dann Fahrzeuge zu bauen, die um einen Liter Kraftstoff bzw. 10 Kilowattstunden pro 100 km verbrauchen. Solche Fahrzeuge haben dann einen Aktionsradius von 50 bis 200 km. Diese sogenannten Elektro-Leichtfahrzeuge sind aber nicht mit heutigen Autos vergleichbar, es müssen Einbußen in Bezug auf Komfort und Sicherheit hingenommen werden.

Für Autos mit den Reichweiten und Höchstgeschwindigkeiten heutiger Autos wird der reine arbeitsweg2Elektroantrieb die nächsten 10 Jahre keine wirtschaftlich interessante Lösung sein. In diesem Bereich werden sich Fahrzeuge mit Hybridantrieb wie z. B. der Toyota Prius eher behaupten können.

Bis "reine" Elektroautos wirtschaftlich sinnvoll sind, wird es also nach unserer Meinung noch Jahrzehnte dauern. Elektrofahrräder sind aufgrund ihres geringen Gewichts und des sehr niedrigen Energieverbrauchs schon heute eine sinnvolle Alternative im Nahverkehr. Sie werden in den nächsten Jahren den Hauptanteil der Elektromobilität bilden.

Unser Tipp: Kaufen Sie sich ein Elektrofahrrad und lassen Sie Ihr Auto für Kurzstrecken bis 10 km stehen!

(Diese Darstellungen stellen unsere persönliche Meinung dar. Es wird sicher nicht jedem gefallen, dies so zu illusionslos lesen. Doch wir sehen die physikalischen Möglichkeiten der nächsten Jahre nun mal so. In den Mainstream-Medien werden solche Meinungen - mit seltenen Ausnahmen, siehe oben - nur selten publiziert.)

Nachtrag Februar 2013: Man sieht langsam, dass unsere Einschätzung richtig war:

Audi stellt Elektroauto-Neuentwicklung ein

 

 

Fotos: Kalkhoff

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